Kamerun: Vom Vulkanstrand ins Schimpansen-Camp (mit Fazit zu Westafrika).

Auf dem Weg in den Süden übernachten wir zum ersten Mal in einer sogenannten Chefferie, dem Sitz eines lokalen Dorf-Chefs. Die Hütte ist echt nett. Aber wie in so vielen Villen Afrikas gibt es auch hier kein Bad, sondern ein kleines Kabuff mit runtergerittenem Klo ohne Brille und Spülung… Wer in Afrika Geld hat, zeigt das meist durch oberflächliche Statussymbole, während es hinter den Kulissen oft marode ist. Weiter geht es an den Fuß des Mount Cameroon. Wir wollen mit dem Vulkanriesen unseren zweiten 4.000er in Afrika besteigen, aber irgendwie läuft es dieses Mal nicht. Es besteht Guide-Pflicht und man kann die Dreitagestour auf Grund fehlender Hütten-Infrastruktur und Wasserquellen nur mit zwei Trägern schaffen. Insgesamt sollen wir nach längerer Verhandlung 350 Euro inkl. Nationalpark-Eintritt hinlegen wir hassen es, für ein Naturerlebnis zu bezahlen. Das Wetter ist konstant regnerisch, der Gipfel lässt sich mehrere Tage am Stück nicht blicken. Außerdem ist Anja etwas erkältet und dann rollt Lukas auch noch der Toyo über den Fuß… Wir lassen den Berg bleiben, hängen am schwarzen Vulkanstrand ab, besuchen eine Miss-Beach-Wahl und reparieren die Handbremse 😉 Kamerun war bis zum Ersten Weltkrieg eine deutsche Kolonie. Man wird öfters einmal auf Deutsch begrüßt und findet viele weitere Spuren dieser Zeit. Dazu gehört zum Beispiel auch der kleine Ort Marienberg, wo Deutsche Missionare 1890 die erste Kirche Kameruns erbauten. Unser eigentliches Ziel liegt aber nocht etwas tiefer im Dschungel: ein Camp mit habituierten (an Menschen gewöhnten) Schimpansen. Die Station rettet Schimpansen-Babys vor Wilderern oder kauft sie von Märkten weg und zieht sie dann auf. Wenn sie etwas größer und kaum mehr beherrschbar sind, werden sie auf Nachbarinseln ausgewildert. Der Besuch bei den süßen und verspielten Affen ist ein echtes Highlight. Dass man unseren nächsten Verwandten (bis zu 99% gleiches Erbgut wie Menschen) so nahe kommt, ist wirklich spannend. Allerdings ist es auch echt anstrengend, denn die Kleinen spielen auf dem Toyo, im Toyo, kontrollieren unsere Hosentaschen, öffnen Schnürsenkel, trinken unsere Getränkedosen und klauen generell alles, was sie in die Hand bekommen 🙂

Unten das Fazit zu Westafrika. Jetzt aber erst die Bilder, es kann etwas dauern bis alle geladen sind.

Unser Fazit zu Westafrika.

Nachdem Kamerun an der Grenze zwischen West- und Zentralafrika liegt wollen wir ein kurzes Fazit ziehen. Unsere Reise ist der Wahnsinn und eines der größten Abenteuer, das wir uns vorstellen können. Jeder Tag in Afrika erscheint uns wie auf einem anderen Planeten, so verschieden sind die europäische und die afrikanische Welt. Wir haben mittlerweile eine echte Hassliebe zu diesem Kontinent entwickelt.

Auf der einen Seite ist es unfassbar anstrengend, hier zu reisen. Der Grund hierfür sind die bürokratischen Hürden in Form von unendlichem Visa-Terror und ätzenden Grenzübergängen aber auch korruppte Checkpoints, eine oftmals angespannte Sicherheitslage, nervenaufreibenden Staub- und Schlammpisten sowie die kulturellen Unterschiede. Frauen sind die tragenden Säulen des Kontinents, schuften hart und werden dennoch unterdrückt, während Männer den Großteil des Tages im Schatten liegen und Faulenzen oder Bier trinken. Alte Hierarchien sind nach wie vor omnipräsent (Dorfchefs, Könige etc.) und kollidieren oftmals mit unserem modernen Demokratieverständnis. Viele Probleme Afrikas rühren sicherlich aus der jahrhundertelangen und auch heute noch andauernden Ausbeutung des Kontinentes durch fremde Mächte. Dennoch sehen wir mittlerweile auch viele Schwierigkeiten hausgemacht. So haben die Afrikaner zum Beispiel eine komplett andere (bzw. keine) Auffassung von Zeit. Sie leben nur im Hier und Jetzt, langfristige Planung oder Vorsorge gibt es nicht. Bei der Geschichte Afrikas (Kriege, Unsicherheit, Krankheiten etc.) ist das allerdings auch nicht sehr verwunderlich. Die allgegenwärtige Korruption lähmt ganze Gesellschaften und verbreitet sich wie Krebs. Für uns schwer vorstellbar ist auch das Nichtvorhandensein vieler Elemente unserer Leistungsgesellschaft. Wenn Geld da ist, wird es ausgegeben. Wenn kein Geld da ist, wird abgewartet, bis wieder Geld da ist.

Auf der anderen Seite erleben wir hier viele unglaublich positive Dinge. Schon beim Umgang mit Zeit, Stress, Leistung und Geld ist es auch einmal bereichernd, eine alternative Herangehensweise vorgelebt zu bekommen. Außerdem ist die Haltung und Ausstrahlung der Menschen stets positiv. Miese Laune und Traurigkeit gibt es in Afrika nicht! Wir werden beinahe immer und überall nett und offen begrüßt je ärmer die Menschen, desto freundlicher! Was uns weiterhin sehr gefällt ist die Ursprünglichkeit. Sowohl im abgefuckten Sinne (komplett heruntergewirtschaftete Städte, Häuser, Autos) wie auch im schönen Sinne (Religion, Bräuche, die unfassbar wichtige Rolle von Musik). Afrika ist einfach crazy, nirgendwo auf der Welt haben wir bisher etwas Vergleichbares erlebt. Besonders ist natürlich auch die ursprüngliche Landschaft und einzigartige Tierwelt. Wir fühlen uns der Natur hier sehr nahe. Auch das warme Klima und den andauernden Sonnenschein genießen wir sehr. Zu guter Letzt sind wir überglücklich, diese Reise erleben zu dürfen. Es ist ein tolles Gefühl, dem Hamsterrad für so eine lange Zeit zu entkommen und Zeit für uns, zum Sinnieren und Reflektieren zu haben.

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